Sonntag, 7. Juni 2009

Eine wunderbare Geschichte

Manchmal passieren wundersame Dinge im Leben und man fragt sich oft, wie bestimmte Erlebnisse und Ereignisse zusammenkommen.
So ist es mir am Wochenende gegangen.
Für meine Geschichte muß ich wenig weiter ausholen, und wenn ihr ein bisschen Zeit habt, so lade ich euch ein, bei mir zu lesen.

Viele Jahre lang fuhren wir im Frühling , d.h. um die Osterferien herum, in die Provence. Immer in die selbe Gegend, nämlich östlich von Avignon, südlich des Mont Ventoux, der bei der Tour de France überquert wird, in das Luberon-Gebirge.

Der Luberon ist ein Höhenzug, der in etwa mit der Schwäbischen Alb zu vergleichen wäre, nur viel viel kleiner und überschaubarer. Sieht man das Gebirgsmassiv im Abendlicht, liegt es da wie ein schlafender Walfisch oder ein Dinosaurier, mit seinen Tälern und Höhenrücken, ein fasziniernendes Stück Landschaft, das eine Menge lieblichster kleiner Orte in sich trägt.

Diese wundervollen uralten Orte, die sich wie Vogelnester an die Felsen schmiegen, sind zauberhaft und besonders im Frühling, wenn der weit entfernte Mont Ventoux noch schneebedeckt ist, aber unten im Tal schon die Mandelbäume blühen, ist die Provence wunderschön.
Einer dieser Orte, Bonnieux, verwinkelt , steil, in Serpentinen zu begehen, hat jedes Jahr an Ostern einen wunderschönen Töpfermarkt, der ganz besonders schöne Skulpturen und Gefäße präsentiert.
Bonnieux liegt ganz hoch oben am Berg, und der Blick schweift weit über das Tal, über blühende Obstbäume, hinüber zum Ort Lacoste, mit seiner Schloßruine, in der der echte Marquis de Sade gewohnt hat.

Vor vielen Jahren ( es war das Jahr 2002) stand ich nun vor einem Marktstand, der ganz besondere, große Figuren präsentierte, große Frauenstatuen, teilweise mit weit ausgebreiteten Flügeln, archaisch, dunkel geschwärzte Keramik, eindrucksvoll, gigantisch, wunderschön. Diese Figuren vor dem Hintergrund des weiten Tales zu fotgrafieren war schwierig, denn der Künstler erweckte den Eindruck, dass er solches nicht mochte.
Damals hatte ich noch keine Digitalkamera, aber dieses Foto ist damals entstanden:






In den Jahren danach hatte er wunderschöne Frauenköpfe, zarte Mädchengesichter, immer dunkel und geheimnisvoll, aber die Gesichtszüge fein und edel.
Ihr könnt euch vorstellen, dass der Wunsch, so eine Figur zu haben, immer größer wurde. Am liebsten so eine große Engelsstatue mit riesigen Flügeln.....
aber da war nicht nur der Preis der Figuren ein Hindernis, es kam auch das Transportproblem, denn wohin mit einer großen Statue, wenn der Kofferraum von Kind und Kegel so vollgefüllt kaum noch Platz für eine Maus geboten hätte..

Bei unserer letzten Osterfahrt, die wir ausnahmsweise ohne Kinder erleben durften, wäre nun der Platz für ein Köpfchen dagewesen, aber nun war der Künstler nicht mehr auffindbar und niemand konnte uns eine Adresse nennen.
Schade, denn ich hatte mir so vorgestellt, wenigstens eine Kleinigkeit von ihm zu erwerben.

Danach sind wir nur noch im Herbst in die Provence gefahren und das Thema war für mich erstmal erledigt.

Aus unerfindliche Gründen habe ich neulich meine alten Fotomäppchen in die Hand genommen und genau nach diesen Fotos gesucht. Eine innere Stimme drängte mich, mal wieder die alten Bilder anzuschauen, und wehmütig erinnerte ich mich an diesen wunderbaren Markttag, die warme Luft, das Gefühl von Weite und Urlaub an diesem schönen Ort und natürlich die Figuren.....


Wie ich so die Bilder anschaue, erwacht der Wunsch nach so einer Keramikfigur wieder und setzt sich fest, (wäre ja was zum 50. Geburtstag...), mit einem unerhörten Bedauern, dass man den Mann wohl nie mehr wiederfindet.

Nun ,gestern , gehe ich über den total verregneten Keramikmarkt in Höhr, schaue, denke, das kann doch nicht sein, und was sehen meine erstaunten Augen? Dunkle Frauenköpfe, Büsten, kleine Figuren, zarte Gesichter... es kann nicht sein. Ich schleiche um den Stand, erspähe die Adresse..... Avignon...der Mensch kommt aus Avignon, ich glaube es nicht.
Das Beste: er spricht deutsch, ich bin fast sprachlos, frage ihn, frage nach seinen Engelsflügeln, großen Figuren, er bejaht, er ist es - ich glaube es kaum - ich bin einfach nur ergriffen.
Er --- er ist nach Höhr-Grenzhausen gekommen mit einer kleinen Auswahl von Büsten und Figuren. Großen Köpfen, kleinen Amuletten. Auch jetzt mag er es nicht , dass ich fotografiere. Er scheint wenig Umsatz zu haben, kein Wunder, es schüttet seit Samstag wie aus Kübeln, ist eiskalt, und die bronzierten dunklen Kunstwerke sind nicht jedermanns Sache.






Ich schleiche herum, rechne, überlege... ich habe an diesem Nachmittag schon einiges ausgegeben... gehe weiter. Dreh wieder um, rede mit ihm,er zeigt mir seine schönsten Sachen, ich überlege wieder.

Viel Geld, mal eben so, für eine kleine Büste, oh je, was mache ich? Muß es sein? Brauche ich es für mein Seelenheil?
Nach einer weiteren Runde und dem ewigen um den Stand schleichen (er grinst schon, ein ganz lieber Mensch ist er, klein, graue lockige Haare, schon älter, ein wirklich interessanter Mann) ist mir alles egal:
Ich kaufe! Ich kaufe die Büste, die mir an diesem Tag von all seinen Sachen am besten gefällt, ich kann diesen Menschen nicht einfach so wegfahren lassen, ohne etwas von ihm zu kaufen, das ich mir schon so lange ersehnt habe.
Als ich es ihm genauso sage, lächelt er ein feines Lächeln, er hat mich ja lange genug beobachtet, und packt sie mir ein.





Vorsichtig trage ich sie, wie ein neugeborenes Baby, in meinen Armen nach Hause und bin einfach nur glücklich. Ich habe seine Adresse, und eines Tages wird vielleicht eine Engelsfigur in unserem Garten stehen, mit weit ausgebreiteten Flügeln, dunkel und geheimnisvoll, aber dafür muß ich noch etwas sparen...

Und hier ist sie, nun bei mir Zuhause, ich werde einen schönen Platz für sie suchen, immerhin ist sie 40 cm hoch.







Sie ist wunderschön, wie ich finde, und je nach Lichteinfall hat man das Gefühl, dass sie immer anders schaut.

Danke für eure Geduld, ich weiß, es war viel zu lesen, aber ich wollte euch gerne erzählen, was manchmal passiert, wenn man auf die innere Stimme hört!
Einen wunderbaren Tag wünscht euch Cornelia

Kommentare:

  1. Das ist eine schöne, wie wundersame Geschichte *seufz*. Ich glaube, wenn Du diese Büste nicht gekauft hättest, Du hättest es ewig bereut.
    Übrigens kenne ich den Ort Bonnieux aus unseren Provence-Urlauben und es ist eines der schönsten Örtchen, die wir je dort besucht haben.
    Wir fahren so ca. alle drei Jahre in die Provence, auch immer in der Nähe des Mont-Ventoux (2x waren wir u.a. in l'Isle-sur-la-Sorgue), mieten uns auf einem Campingplatz ein Mobilhome und lassen uns den Duft der vielen Kräuter um die Nase wehen...herrlich!
    Ich glaube, nächstes Jahr müssen wir unbedingt wieder hin, ich bekomme Fernweh ;o)

    Alles Liebe
    Conny

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  2. ja da bekam ich eine Gänsehaut beim Lesen und kann mir alles sehr sehr gut vorstellen, es ist mehr als eine Büste, es ist Verbundenheit, da steckt Seele drin,es ist jetzt ein fester Teil in deinem Leben und das ist gut so, es gibt "Dinge" die gehören zu uns, ich kenne das auch und Geld spielt dabei fast keine Rolle (man kratzt halt alles zusammen)....freue mich riesig mit dir und für dich, DANKE für diese wunderbare wahre Geschichte !!!herzlich Kathrin

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  3. Ja das ist eine Geschichte wie aus dem Leben, so geht es einem doch häufig man schleicht um irgendetwas herum, nimmt es nicht und nachher kann man es gar nicht fassen das man genau dieses Teil nicht mehr findet. Du hattes richtig viel Glück und die Figuren sind wirklich wunderschön, so feine Gesichter, solche Dinge mag ich auch sehr. Ich drück Dir die Daumen das Du auch noch einen Engel mit großen Flügeln in Deinen Garten bekommst.

    LG Marita

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  4. ...ja, das kennen wir wohl alle.
    Man sieht etwas, findet es unglaublich schön, wartet aber mit dem Kauf aus den verschiedendsten Gründen.
    Und nicht jede Geschichte hat so ein Happy End!

    Klasse, dass du sie gekauft hast. Eine wunderschöne Büste und eine zauberhafte Geschichte dazu!

    GLG
    PE

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  5. Hallo Cornelia,

    das Dawandatreffen meinte ich zwar nicht, denn in meinem Post geht es um ein reines Bloggertreffen, aber auf dem Workshop sehen wir uns vielleicht trotzdem!
    :O)

    Lg
    s.

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  6. Da ist sie wieder die Einzigartigkeit die unsere Herzen berührt...

    Du bist reich beschenkt aber noch viel schöner ist es, das Dir eine übersinnliche Gabe nicht verloren ging: Das geistige Auge für die Kunst deren Einmaligkeit zu öffenen.

    Liebe Grüße
    Steffi

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  7. Was für eine schöne Begebenheit. Man sagt doch, man trifft sich immer zweimal im Leben. Bei dir sogar dreimal!
    Schönen Gruß
    Mara Zeitspieler

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  8. Ja, genau daran musste ich auch denken : "Man trifft sich zweimal im Leben !" Was für eine irre Geschichte, wahnsinn! Sollte etwas von seinen Kunstwerken doch unbedingt zu dir kommen - warum auch immer. Und herrlich welche Geschichte jetzt deiner Büste "anhaftet",absolut fazinierend!Ganz viele, liebe Grüße, Petra ♥

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  9. liebe cornelia,
    das war bestimmt kein zufall......da ging doch durch höhere macht ein herzens- oder wohl noch eher ein seelenwunsch in erfüllung!!!
    sie ist übrigens traumhaft schööööön!!!
    wer ist sie? und was hat es mit der jakobsmuschel auf sich?
    herzliche grüsse von einer ein ganz klein bisschen neidischen,
    filz-t-raum.ch

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  10. Nein, es gibt keine Zufälle im Leben!

    Die Büste ist wunderschön, der versonnene Blick, der Faltenwurf des Kleides...

    ach, so schön

    Ganz liebe Grüße

    Katrin

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  12. Liebe Cornelia.
    Eine wunderschöne Geschichte die du da erlebt hast und die "Dame" ist wirklich ganz bezaubernd. Da hätte ich auch nicht widerstehen können. Manchmal ergeben sich im Leben Dinge auf ganz wundersame Weise. Ich kenne das auch. Es sollte so sein.
    Liebe Grüße
    Gertrud

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  13. Liebe Cornelia,
    Danke der direkten und von Herzen kommenden Worte.
    Recht hast du! Ab sofort schmeissen wir das schlechte Gewissen über Bord und geniessen es toll zu sein ;-))).
    Hach, wenn das nur so einfach wär.
    Mal sehen wie lange der Vorsatz anhält.Übrigens die Idee mit der Brosche ist super. Leider sind meine weissen Ornamente aufgebraucht,ich glaube ich mache mal eine in einer anderen Farbe und werde dann davon berichten.Foto folgt.
    Deine Geschichte ist übrigens wunderschön und weckt tief sitzende Emotionen.Ich hoffe das dein Traum bald in Erfüllung geht.
    Liebe Grüße
    Kerstin

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  14. Hallo Cornelia,

    nun habe ich echt Gänsehaut bekommen und Tränen in den Augen.

    Ich habe zum Schluß hin gehibbelt und gehofft, hoffentlich kauft sie eine Büste. Und du hast es getan und so eine Schöne.

    Liebe Grüße Ines

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  15. Hallo Cornelia!

    Dazu gibt es doch eigentlich nur ein Wort: "Bestimmung"!! Ich drück Dir ganz feste die Daumen das es mal mit einer größeren Figur klappt!
    LG Gaby

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