Dienstag, 8. Dezember 2009

blog Adventskalender:... und ich habe das Christkind gesehen

Weihnachten 1964, ich bin links zu sehen)



Guten Morgen, meine Lieben!
da ich beim Blog-Adventskalender von fairy mitmache, nun also mein Beitrag zum heutigen
8. Dezember.


Als ich noch ein Kind war, klein, in den 60-er Jahren, da waren die Winter ganz anders. In Oberschwaben fiel schon früh der Schnee, es gab lange Frostperioden mit tiefsten Temperaturen und ich erinnere mich, dass wir wochenlang mit unseren Schlitten gerodelt sind; immer wieder gab es neuen Schnee, auch Ski sind wir gefahren, und wenn es nur in der Einfahrt zur Garage war, es waren einfach richtige Winter mit weißen Weihnachten.

Dieses Erleben des Winters hat in meiner Erinnerung auch die Vorweihnachtszeit geprägt. In meiner Kindheit gab es nicht diese Glitzerwelt, den Konsum überall, die Weihnachtsmärkte in dem Übermaß, es gab keine Gartenbeleuchtungen im amerikanischen Stil, es war einfach, ursprünglich, sehr traditionell.
Die Adventszeit dauerte dadurch irgendwie schon sehr lange!

Wir Kinder hatten noch lange Wunschzettel, lange ersehnte Spielsachen, die man sich nur zu Weihnachten wünschen konnte, und die das Christkind dann brachte, wenn man besonders artig war.
Eine Puppe, die man bekam, hatte einen ungeheuren Stellenwert und war über Jahre eine über alles geliebte Freundin, die wunderbare Spielnachmittage versprach, denn es gab ja kein Fernsehen;
Ein Teddybär von Steiff, das Höchste der Gefühle, ein Kuscheltier fürs Leben, Begleiter für alle Nöte und Sorgen eines kleinen Mädchens!

Deshalb waren wir besonders vor Weihnachten sehr sehr artig, wollten wir doch das Christkind nicht erzürnen und uns am Heiligen Abend nicht noch unsere Unartigkeiten vorhalten lassen.

Das Christkind... ja, diese mystische Figur, von der uns so viel erzählt wurde und die wir uns als Engel im zarten Gewand vorstellten, dieser Christkindengel also brachte die Geschenke!
Heimlich, man konnte und durfte es ja gar nicht sehen, so erzählte es unsere Mutter immer verschwörerisch.

Am Heiligen Abend wurde das Wohnzimmer zugesperrt, keiner durfte mehr hinein, alles war dunkel und geheimnisvoll und die Stunden bis zur Bescherung erschienen uns als die längsten Stunden im ganzen Jahr, ungeduldig waren wir, oft schickte uns Mutter noch zum Schlittenfahren hinaus, und wir hofften, vielleicht doch noch den christlichen Engel auf seinem Schlitten aus den Wolken erscheinen zu sehen.
Wenn wir dann in unseren Kinderzimmer warteten, bis das Glöckchen läutete, war die Spannung kaum auszuhalten, bis man in das hell erleuchtete Weihnachtzimmer durfte und es endlich, endlich soweit war.

Einmal, daran erinnere ich mich ganz genau, konnte ich es nicht mehr aushalten. Mein Wunsch, das Christkind zu sehen, war so übermächtig groß, dass ich verbotenerweise in das Schlafzimmer meiner Eltern ging, von dessen Balkontüre aus man einen Blick rüber in das Wohnzimmerfenster erhaschen konnte.
Ich versteckte mich hinter dem Vorhang und wartete Stunde um Stunde, war ganz eingesponnen in meine Fantasie, dem heftigen Wunsch, es endlich zu sehen, wie es durch die Scheibe flog, um unsere Geschenke zu bringen..... und plötzlich geschah es:

Wie ein Lichtblitz, wie ein goldener Hauch, eine weiße wehende Fackel, so schien es mir, erschien für Sekunden diese Gestalt auf dem Balkon, wehte durch das Fenster und war wieder weg.
Auch heute, mit fast 50 Jahren möchte ich schwören, dass es genauso war.
Ich habe es gesehen, das Christkind, es war einfach da, so kurz, so flüchtig, aber es war denoch da und es war das schönste Erlebnis meiner Kindheit!
Es hat mich so tief beeindruckt und mich über viele Jahre, auch als der Mythos dann einmal aufgeklärt wurde, nicht mehr verlassen, dieses Gefühl, dass ich es doch gesehen habe!

Manchmal, in den hektischen Tagen jetzt, denke ich darüber nach, wie gemächlich es früher war, als man sich selbst nicht diesem Druck ausgesetzt hat, alles perfekt zu gestalten.
Das Weihnachtsgefühl kommt von tief innen heraus, aus einem persönlichen Erleben, aus Erinnerung, Sehnsucht und Religiosität.
Ich wünsche uns allen, dass wir an die Gefühle in unserer Kindheit zurückdenken und ein wenig davon in unsere eigene Weihnachtsvorbereitung mit einfließen lassen können, so dass auch wir immer wieder das Christkind sehen können!
Das wünscht euch herzlichst ♥Cornelia



weiter geht es morgen auf dem blog von feona-malea

Kommentare:

  1. Das ist ja eine richtig liebe Geschichte. Danke fürs einstellen =)

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  2. Liebe Cornelia,
    Schon lange wollte ich Dich mal wieder besuchen und bin richtig glücklich dass ich heute ein wenig Zeit dafür hatte.
    Denn so konnte ich Deinen wunderbaren post lesen. Vielen Dank das Du diese wunderschöne Geschichte mit uns teilst. So langsam nervt mich diese ganze Megageschichte rund ums ÄUSSERLICHE dieses Festes auch....Man macht und tut, fast alle jammern über den Stress und dann ist Weihnachten auf einmal vorbei - ohne Ruhe, ohne Besinnung und ohne die eigentliche Bestimmung dieses Festes.....
    Ganz liebe Grüße,
    Lena

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  3. Liebe Nele, sicher war es wirklich das Christkind - und dass Du auch heute noch daran glaubst, wundert mich nicht, beweisen doch Deine liebevollen Kreationen, dass Du innendrin noch Kind bist (psst und außen sieht man Dir die fast 50 aber auch nicht an!)

    Danke für die schöne Weihnachtsgeschichte!

    Für uns ist durch die Kinder eine sehr schöne aufregende Zeit voller kleiner Geheimnisse - Leo erahnt zwar Einiges, aber akzeptiert, dass der ECHTE Nikolaus, der am Sonntag ganz echt die Stiefel gefüllt hat, am Montag im Kindergarten einen papa als Nikolaushelfer brauchte, da er nicht alle Kindergärten besuchen kann. Leo möchte nun wenn er groß ist, auch Nikolaushelfer werden!

    GLG, Deine Kati

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  4. Richtig schön romantisch. Träum...

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  5. Schön hast du uns das erzählt. Ganz lieben Dank dafür und viele liebe Grüsse
    Barbara

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  6. Hach Cornelia,
    das hast Du wirklich schön geschrieben. Und weißt Du was? Bei mir war es als Kind genauso, anfang der 70er. Ich durfte erst ins Wohnzimmer, als das Glöckchen läutete und die Spannung vorher war kaum auszuhalten ;o)
    Ein Glück für die Kinder, bei denen das heute noch so gemacht wird.

    Lieben Gruß + Danke für Deine Geschichte
    Conny

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  7. Liebe Cornelia,
    so ähnlich hätte ich auch erzählen können. 1960 geboren, in den Bergen mit viiel Schnee aufgewachsen und mit sehnlichen Wünschen zu Weihnachten.
    Einmal habe ich auch das Christkind gesehen. Ich dachte, ich hätte das Glöckchen gehört und bin losgerannt. Alles war schon hell erleuchtet und die Sternwerfer brannten schon. Da hat mein Vater immer noch schnell mit Blitz ein Foto gemacht, bevor das Glöckchen klingelte. Ich hab aber nicht meinen Vater, sondern das Christkind gesehen. Heute noch weiss ich, wie es ausgesehen hat. Ich wurde ein paar Jahre von meinen Geschwistern dafür bewundert.
    Du hast deine Kindheits-erinnerungen so schön erzählt. Meine Kinder lieben es, wenn ich ihnen solche Erinnerungen erzähle. Sie können gar nicht genug davon bekommen.
    Danke für deine Geschichte
    Liebe Grüße
    Renate

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  8. Liebe Cornelia,
    jetzt hast du mich für ein paar Minuten richtig glücklich gemacht, weil du mich in meine Kindheit versetzt hast, in der ich Weihnachten genau so erlebt habe wie du (ohne den "Wintersport" - in Niedersachsen gab es auch früher nicht ganz so viel Schnee...). Diese magische kleine Weihnachtserzählung ist nun für mich einer der schönsten Augenblicke dieser Adventszeit - vielen Dank dafür!
    Liebe Grüße,
    Helga

    P.S. Und NATÜRLICH war es das Christkind - lass dir nichts anderes einreden....

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  9. ja Nele, so ähnlich war es bei uns auch,nur schon immer fast oder ganz ohne Schnee, oft mit Regen und ich musste, durfte, wie man will, jeden Heilig Abend und Weihnachten Konzerte geben, auf der Geige zuhaus und im Kirchenchorchester, ich fand das ziemlich stressig, von daher habe ich nicht so schöne Erinnerungen, für mich waren die schönsten Stunden morgens im Stall bei unseren Pferden....
    alles andere war zu eng gestrickt nach Ritualen, da gefällt mir unser fröhliches, lockeres Weihnachten heute viel besser...
    alles Liebe von Kathrin

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  10. Dankeschön ;o)!Da wurden bei mir doch ne´ganze Menge Erinnerungen wach !Und irgendwie, wenn ich so zurück denke habe ich das Gefühl, dass alles weniger hektisch und viel ruhiger war.Ja und es war auf jeden Fall weisser !Einen schönen Abend und ganz viele, liebe Grüße, Petra

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  11. Ein fantastischer Kalenderbeitrag. Ich verbrachte meine frühe Kindheit ja auch noch in den Sechzigern und beim Lesen Deines Beitrages konnte ich daher immer nur stumm nicken und denken "ja, ganz genau, so war's".

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  12. Hi Cornelia,

    das hast du alles so wunderschoen beschrieben. In einigen Dingen konnte ich etwas aus meiner Kinderzeit wieder entdecken.
    Mit einem Laecheln und manchmal leiser Melancholie denke ich gerne daran zurueck.

    Eine nette Idee, dieser Adventskalender, habe es in ein paar anderen Blogs auch schon gesehen....


    ganz liebe Gruesse
    Neike

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  13. Liebe Cornelia.
    Es gibt nichts mehr zu sagen.
    Du hast dieses Feeling, dieses Gefühl, das auch in mir lebt (Du weißt ja, ich habe es im Gedicht geschildert auf meiner Seite)so beschrieben, wie es wirklich war und ist.
    Und ja, genauso habe ich auch das Christkind gesehen, als Lichtgestalt.
    Einfach nur hell.
    Einerseits sehr beeindruckend, ein bißchen erschreckend...wer ist schon darauf gefaßt, schon gar nicht als Kind....andererseits so INNERLICH erhellend, daß man es, ja, Du sagst es, nie und nimmer vergessen kann.
    Auch ich kenne noch die schneereichen Winter.
    Wo die herunterhängenden Eiszapfen die Säulen des Eispalastes der Eisfee waren....
    Aber, ich weiß nicht, wie Du das siehst, man kann das, was uns damals geschehen ist, nicht als Fantasiegeschichte abtun.
    Jeder, dem es nicht passierte, denkt sich das vielleicht.
    Ich habe das heute noch vor Augen.
    Nein, ich weiß, ich habe es nicht geträumt, es war so!

    Meine Enkelsöhne beneiden mich.
    "Omi, ich möcht' auch das Christkind sehen...."
    Aber, man glaubt es nicht, dadurch, daß ich ihnen glaubhaft versichern kann, daß ich es gesehen habe, daß es es also gibt, gibt den Kindern auch in der heutigen Zeit ein besonderes Gefühl.
    Also ob ich es ein bißchen weitergeben könnte.....
    Und das allein ist auch schon wunderbar.
    Kompliment für Deinen Erzählstil.
    Er gefällt mir sehr und man kann dem wirklich nichts mehr hinzufügen.
    Da paßt alles.
    Und auch ich bin ins Träumen geraten.
    Darf ich mir die Geschichte mitnehmen?
    In meinen Kinderblog?

    GlG Luna

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  14. Liebe Cornelia,
    dein Posting heute hatte von allem etwas: etwas zum Schmunzeln (die kleine Cornelia auf dem Höckerchen ist wirklich allerliebst und ich möchte schwören, dass ich den gleichen Pulli hatte wie deine Schwester ;o)), etwas Besinnliches (ja früher war die Zeit schon noch eine andere, ob unsere Kinder das auch in 20-30 Jahren sagen werden?), etwas Zauberhaftes (ja auch ich habe mir oft eingebildet einen Lichtschimmer im "Weihnachtszimmer" gesehen zu haben, wie schön, dass der Zauber der Weihnacht so auf Kinder übergeht, dass man es für sein Leben in sich bewahrt).
    Als Kind der 60er hat dein Rückblick viel Spaß gemacht. Danke dafür ;o).
    Ganz liebe Grüße
    Petra

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  15. Ich bin ein Kindl der 70er, im tiefsten Bayern aufgewachsen und bei uns waren die Winter auch noch hufthoch und der Advent sehr besinnlich. Eigentlich ganeuso, wie bei Dir! Ich hab mal in der Küche gesessen und die hatte 2 Fenster. Beide waren offen und ein Windhauch hat die Vorhänge aufgebauscht. Da war ich ganz sicher, dass das Christkind durch unsere Küche geflogen ist.
    Ich danke Dir für Deine wundervollen und nostalgisch-schönen Gedanken, in denen rundweg soviel Wahres steckt!

    Lass Dich dafür lieb drücken!
    Hab einen feinen Dienstagabend!
    Knoootschedingse, Biene

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  16. Schön erzählt. Die gute alte Zeit. Da wünsche ich mir, dass unser Sohn auch immer unbeschwerte Weihnachten verbringen kann, mit viel Fantasie und einigen Mythen.
    LG
    Kerstin

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  17. O, liebe Cornelia, das ist ja der Hammer, dieser MARIENKÄFER im Hintergrund des Fotos! Auf dem bin ich auch gefahren (gibt es auch noch Fotos von!), der war sooo toll! War der nicht sogar von Steiff???? Ich weiß noch genau, wie das Fahrgefühl auf ihm war, und die Fühler, der Griff. Und der Plüsch auf der Oberseite war vom drauf Sitzen schon ganz platt, untendrunter hingegen war der blaue Plüsch noch wie neu. Ich habe diesen Käfer geliebt, und schade war es, daß man ihm so schnell entwachsen ist! Ich erinnere mich auch noch genau daran, wie es war, auf dem Käfer zu sitzen, als ich dann eigentlich schon zu groß für ihn war....
    Danke für diese schöne Erinnerung!
    Liebe Grüße von Iris ♥

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  18. Hi Conny!
    Da geht es mir wie so vielen Anderen: die Geschichte versetzt einen zurück in die Kindheit - das Träumen, Hoffen, Warten, Spannung, inneren Frieden und trotzdem Spaß haben, kurzum die Unbeschwertheit der Kindheit vor allem in der Weihnachtszeit geht in der Alltagshektik leider so oft verloren. Die schönen Fotos in Deinem Blog und die Weihnachtsstimmung, die Deine Posts verbreiten, geben einem ein Stück davon zurück - Danke dafür.

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  19. ha...das hab ich auch schon gedacht, in unsrer Kindheit hats fast immer pünktlich vor Weihnachten geschneit!
    Schön deine Erzählung...lässt Erinnerungen wach werden:-) und weisst, manchmal denk ich, wir können selber was dran ändern..an der Hektik...einfach nicht mitmachen, mit dem ganzen Geschenkewahn und Co., wieder die einfachen Dinge geniesen!
    Schicke dir liebe Grüße
    Susanne

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  20. Liebe Cornelia!
    Du hast mir eine wunderbare Überraschung bereitet für die ich mich ganz ganz herzlich bedanke.
    Weißt Du, ich bin sehr ge- und berührt.
    Habe auf meinem Blog aber geschrieben, daß ich Bedenken habe, ob ich das annehemen darf, zudem, daß meine Sachen wieder aufgetaucht sind in dem Geschäft.
    Ich bin jetzt wirklich unsicher, obgleich meine Tochter und ich heute echt jede einen Schutzengel hatten.

    GlG und sei herzlich umärmelt...Luna

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  21. Liebe Cornelia,

    ich habe Deine "Weihnachtserinnerungen" schon gestern gelesen, aber ich musste mich erstmal sortieren. Es liest sich wunderschön. Du schreibst toll und hast Deine Erinnerungen in Bilder fassen können, die dem Leser vor Augen schweben. Einiges erinnert mich auch an früher: das geschlossene Wohnzimmer, das Glöckchen, ein Geschenk zu Weihnachten war unendlich kostbar, Schnee, keine blinkende, protzige Beleuchtung und ruhiger. Aber meine Kindheit war nicht glücklich. Und da kommt beim Lesen wieder diese unendliche Sehnsucht und eben auch Bitterkeit und Traurigkeit mit durch. Und egal wie schön ich oder wir es uns heute machen, es wird mir immer ein Stück fehlen. So fühlt es sich an.
    Auch ich kann mich an einen Moment erinnern, in dem ich mir sicher war, das ich das Christkind gesehen habe!
    So, ich denke viele werden das hier nicht lesen, aber bei Dir habe ich das Gefühl ich kann es schreiben.

    Ich wünsche Dir eine schöne und besinnliche Zeit.
    Und drücke Dich in Gedanken.

    Germaine

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