Sonntag, 30. November 2014

Die schwarze Samtjacke


Eine Geschichte aus meiner Familie, nacherzählt von mir.


Der Himmel verfinsterte sich.
Ein scharfer Wind zerschnitt die schwüle Luft, die seit dem Nachmittag an diesem Spätsommertag 1944 wie eine Glocke über dem engen Flusstal lag, und schob dunkle Wolken über die trockenen  Weinberge. Der alte  Nussbaum im Garten meiner Großmutter erzitterte bis in die Wipfel unter dieser Böe und ließ vor Schreck die ersten trockenen Blätter leise zu Boden rieseln. Wie eine Decke aus gelben Dachziegeln deckten sie am Fuße des Baumes den verwitterten Weg zu.
Ein fernes Donnergrollen  verwob sich  mit dem sanften Schlag der Kirchturmuhr und wehte von der kleinen Stadt  in den Garten am Fluß.



Erschrocken richtete  sich meine Großmutter auf, war es denn schon so spät? Sie wischte sich die erdverkrusteten Hände an der hellblau geblümten verwaschenen Kittelschürze ab, und strich sich müde eine Haarsträhne aus der verschwitzten Stirn.
Ihr Herz war schwer. Am Morgen hatte ihr der Kommandant einen zerknitterten Brief übergeben, in dem mit dürren Worten geschrieben stand, dass ihr ältester Sohn in Frankreich bei einem Gefecht verwundet und in Gefangenschaft geraten war; wie lange er dort in dem Lager bleiben musste, war völlig ungewiss und die Sorge um ihr Kind trieb ihr erneut die Tränen in die Augen.
Der elende Krieg dauerte nun schon mehrere Jahre, und sie war verzweifelt, wie es weitergehen sollte. Sie dachte an ihre beiden Mädchen, die noch zuhause waren, und riss sich zusammen.
Sie wischte sich energisch über die Augen und packte den schweren Kartoffelkorb, der unter der Last ächzte und knarrte, und schleppte ihn zu ihrem alten Fahrrad. Die Ernte war bescheiden, der Sommer war zu trocken gewesen und sie konnte den Garten unten am Fluss nicht so bewirtschaften, wie sie es früher getan hatte.

Der Korb war dennoch so schwer, dass sie das Fahrrad kaum halten konnte, so schob sie es durch die alte verwitterte Gartentüre, deren  rostiges Schloss sich  nur mit Mühe abschließen ließ.
Inzwischen hatte sich der Wind  gedreht und  wirbelte den  Staub auf dem Feldweg in tanzenden Kreisen vor ihr her, er stob ihr ins Gesicht, so dass sie kaum sehen konnte. Der Donner verstärkte sich und am Horizont sah sie das Wetterleuchten, die Wolken verfärbten sich  ins gelblich-grüne und ihr wurde Angst und Bange, sie musste so schnell wie möglich nach Hause.

Sie schlug den Weg zum Schloss ein und schob ihr Fahrrad mit großen, weit ausholenden Schritten, obwohl ihr der Schweiß auf der Stirn stand und sie vor Anstrengung keuchte.
Eigentlich wollte sie das Schloss meiden, denn dort waren seit ein paar Wochen die alliierten Truppen eingezogen; es hieß, sie hausten dort recht wild und ungebärdig und sie hatte Angst, trotz der einsetzenden Dämmerung gesehen zu werden.

Am Schloss angelangt, drückte sie sich ganz nah an das alte Gemäuer, um im Schatten des Gebäudes ungesehen vorbeihuschen zu können. Oben brannte Licht, und man sah einzelne Gestalten  durch die hell erleuchteten Fenster wild gestikulieren.  Da hörte sie, wie unvermutet ein Fenster geöffnet wurde und lautes Lachen zu ihr hinunter schallte. Sie drückte sich in eine Mauernische und zog das Rad wie ein Schutzschild zu sich heran. Ein paar Kartoffeln kullerten aus dem Korb und ihr Herz schlug ihr bis zum Halse, der Atem stockte und sie wagte kaum mehr zu atmen.
Plötzlich fiel ein dunkles Bündel genau vor ihre Füße. Das Fenster wurde mit lautem Schlag geschlossen und die Stimmen verstummten.

Was war das, was war dort aus dem Fenster geworfen worden? Sie lehnte das Fahrrad an die Mauer und bückte sich vorsichtig. Es war Stoff, weicher, samtiger Stoff, lieblos zu einem Bündel geschnürt und achtlos in den Dreck geworfen. Meine Großmutter traute ihren Augen nicht, als sie das Gebinde zu sich heranzog. Es waren tatsächlich die schwarzen  Samtvorhänge aus dem Schloss. Im zuckenden Licht der Blitze, die sich jetzt über die kleine Stadt legten, erkannte sie den feinen Stoff und war fassungslos. Hatten die Barbaren es gewagt, sich an der Einrichtung zu vergreifen?!
Blitzschnell überlegte sie, was sie nun tun sollte. Sie zerrte das Bündel weiter zu sich in den Schatten und zog eine lange Bahn aus der Verschnürung heraus. Hastig faltete sie sie  zusammen.
Was für ein Glück, dass sie unter der Schürze noch Platz hatte; sie stopfte sich das Samtbündel darunter und schnürte alles mit der Schnur unter der Taille zusammen. Nun musste sie sich sputen, damit sie keiner sah, die ersten schweren Tropfen fielen auf sie herab und wehmütig fiel ihr Blick auf den Rest des Stoffes, der nun seinem Schicksal geweiht war.
Als sie den Hof erreichte, schüttete es bereits  wie aus Kübeln, aber sie war so aufgeregt, dass sie es überhaupt nicht spürte. Sie schlich sich mit ihrer kostbaren Fracht schnell in ihr Stübchen hinauf, ohne sich umzusehen, denn das schlechte Gewissen hätte man ihr sicherlich angesehen.
Oben sammelte sie sich, strich sich die nassen Haare glatt und erschien trotz allen Kummers, den der Tag ihr gebracht hatte, einigermaßen gefestigt in der Wohnküche.

Am nächsten Tag, als wieder alle im Weinberg und in der Baumschule waren, wusch sie heimlich den Stoff, hängte ihn zum Trocknen in den hintersten Winkel des Dachbodens und überlegte, was sie daraus  schneidern sollte. Eine Jacke sollte es werden, eine schwarze Samtjacke für den sonntäglichen Kirchenbesuch. Sie trennte eine alte verschlissene Kostümjacke auf und nahm den Schnitt auf altem Zeitungspapier ab. Mit der uralten Maschine kurbelte sie die Nähte, das Futter aus alter Seide nähte sie von Hand ein. Noch ein bisschen hier und dort verschönert, und dann war sie fertig, die schwarze Samtjacke.






Jahrelang hat sie es niemandem erzählt, wo sie den Stoff her hatte. Erst später weihte sie angeblich meine Mutter ein, auch nach ihrem Tod munkelte man in der Familie, wie es gewesen war oder sein könnte. 

Die Art und Weise, wie meine Mutter aber genau diese Jacke in Ehren hielt, und sogar mir vererbte, lässt aber darauf schließen, dass es so oder so ähnlich gewesen ist.
Wer weiß das schon, in diesen schweren Kriegsjahren, was wirklich geschah?
Und wer will es wirklich so genau wissen?

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Meine lieben Leser, ich wünsche euch einen wunderschönen 1.Advent! 
Das hier ist mein Kranz, ich habe mit allem Vorhanden aufgeschmückt, er steht in einem Drahtkorb, so kann man ihn auch woanders hin transportieren.




und auf der Terrasse habe ich gestern alles fertig gemacht:






 und mein kleines Lieblingsengelchen, das schon ganz alt ist, 
darf auch wieder in seinem Gärtchen wohnen.


Habt es schön, und gemütlich, ich schaue später bei euch vorbei, ganz liebe Grüße, 
eure Cornelia







Freitag, 28. November 2014

Halbzeit beim Block des Monats -BOM 6



Einen schönen  Freitagabend, meine lieben Leser, 
Da bin ich wieder mit dem Block des Monats. 
Jetzt haben wir schon Halbzeit, Bergfest mit dem Quilt, sozusagen, wer hätte das gedacht, wie schnell das geht.
So peu á peu einen großen Quilt zu sticken und zu nähen, das macht schon Freude.
Die neue Datei gibt es heute beim Stickbär und ist auch mit den einzelnen Motiven ganz zauberhaft, allein das Häuschen ist schon so süß. 


Ich habe mich für weihnachtliche Farben entschieden, damit es auch in die Jahreszeit passt.
Im Shop vom Stickbär könnt ihr sehen, wie auch "nur" ein Kissen ganz gemütlich werden kann.



Ab heute im Stickbärshop!

♥♥♥


Und sonst so bei mir? 
Wie immer in der Zwergenwelt drängelt sich alles, Wichtel, Winterkinder und andere Aufträge werden noch genäht, 
gerade haben König Winter und seine Prinzessin das Haus verlassen, um in die  neue Heimat zu reisen, 





dazwischen ist viel in der Familie los, so dass die Zeit wie immer im Advent knapp bemessen ist, aber ich gönne mir auch Auszeiten, keine Bange, und werde diverse kleine Märkte am Wochenende aufsuchen.

Auf dem Bord im Flur habe ich alles Rosa verbannt und  weihnachtlich dekoriert, leider ist es derzeit so dunkel, dass man keine guten Bilder machen kann..




und meine allerersten Tildawichtel von vor  8 Jahren dürfen endlich wieder aus dem Schrank.


Meinen Adventskranz und noch ein bisschen andere Weihnachtsdeko zeige ich euch spätestens am Sonntag, ich bin nämlich noch nicht ganz fertig, *hüstel* da ich immer so bestimmte Ideen im Kopf habe, die nicht immer so einfach umzusetzen sind ;O))
Wir lesen uns zum 1.Advent, bis dahin habt es gemütlich und schön, 



Montag, 24. November 2014

Noch mehr Weihnachten????



Hallo ihr Lieben am Montag, 
ganz herzlichen Dank für eure lieben Worte zur Fensterbank und den ersten weihnachtlichen Impressionen. Braucht ihr noch ein bisschen mehr Anstupser? Die habe ich heute für euch!

Ich hab ja selbst noch keinen Adventskranz und der Adventskalender für unsere beiden Großen ist auch noch nicht fertig, aber am Samstag habe ich mich, zumindest was das Floristische betrifft,  bei der jährlichen Ausstellung eines sehr guten Blumenhauses (Treis, Mühlheim-Kärlich) verzaubern und inspirieren  lassen ..
Ich konnte ein paar Handy Bilder machen und möchte euch dran teilhaben lassen, denn es war so wunderschön.
Links und rechts vom Eingang wurden die Besucher so begrüßt,..



aber innen erwartete uns das Winterwunderland (bei 12 Grad +)
Achtung, Rundgang! Bilderflut!
Leider sind manche Bilder etwas unscharf, sorry!





























Den Kranz mit dem Hirsch hätte ich wohl gerne gehabt, aber der wurde mir quasi vor der Nase weggeschnappt:


Ganz besonders schön fand ich das neue Rosa der Weihnachtsterne. Die gibt es ja schon lange in Lachs oder Rosa, aber dieses kühle Rosé kannte ich noch nicht.




Zwar ist Rosa, seit ich 16 bin, meine Lieblingsfarbe, aber zu Weihnachten bin ich eher altmodisch mit rot, weiß und grün 
Doch dieses kühle Rosé passt so gut zum Ostfenster, 




wo ich es dekotechnisch meist so belasse, wie es ist, und vor allem passt der rosa Weihnachtsstern in den schönen Keramiktopf:






und gefällt mir ausnehmend gut.

♥♥♥
Na, wie ist es jetzt bei euch, etwas mehr in Stimmung?
♥♥♥
Bei uns wird lange nicht mehr so viel dekoriert wie früher, zu viel Nippes überall und Kleinteile links und rechts sind mir einfach zu viel.
Früher habe ich jede Ecke vollgestellt mit Weihnachtssachen, aber man verändert sich und braucht nicht mehr so viel von Allem.

 Wie ist es bei euch?
Stellt ihr alles auf was ihr habt, oder auch immer nur Ausgewähltes und immer wieder anders?
Bei mir kommt immer noch eins zum Anderen dazu, wie es mir gefällt, nie alles auf einmal. 
So, nun überlege ich mir weiter den Adventskranz. 
Habt eine schöne neue Woche,